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: 2002.05.10, RON - RHEINPFALZ ONLINE
Nachruf: Das Karlsruher Theaterpublikum verliert einen Volksschauspieler
Zum Tode von Peter Folken - Ein Komödiant von altem Schrot und Korn - Beliebter Altstar und Sympathieträger am Kammertheater am Rondell
Von der Kanzel zu den Brettern, die die Welt bedeuten - ein großer und doch auch kleiner Schritt. Peter Folken hat ihn gewagt: Der 1931 geborene Schauspieler wollte ursprünglich Pfarrer werden und ging dann lieber zum Theater, in dem er zu Recht seine eigentliche Berufung sah. Bühnen in Trier, Hamburg, Heidelberg und Karlsruhe waren die wichtigsten Stationen seines beruflichen Weges. Dabei hat er sich quer durch die Stile, Stücke und Rollenfächer gespielt, war in Klassikern ebenso zu sehen wie in modernen Dramen, in ernsten wie in heiteren Partien. Aber diese vielfältige Bühnentätigkeit machte, was heute nur noch wenige wissen, lediglich einen Teil der künstlerischen Persönlichkeit von Peter Folken aus. Er hat daneben (vor allem in seiner Hamburger und noch in seiner Heidelberger Zeit) eine Fülle von Hörspielen für Kinder und Jugendliche geschrieben, dabei häufig selbst Regie geführt und meist auch Rollen gesprochen. Unter Kennern sind beispielsweise seine 26 Hörspiel-Bearbeitungen von Büchern Karl Mays, die er von 1968 bis 1976 zusammen mit seinem Kollegen Konrad Halver in legendären "Hafo-Produktionen" schuf, in bester Erinnerung. In den Listen der Mitwirkenden von Damals finden sich viele klangvolle Namen, und Folkens eigene Darstellung etwa des Winnetou-Schurken Santer überzeugte dabei durch ganz besonders garstige Gemeinheit.
Als Regisseur verantwortete der vielseitige Bühnen- und Radiomann Folken überdies eine Reihe von vier phantasievollen "Yps"-Hörspielen um ein drolliges Känguru, die 1977 auch auf Platten und Kassetten erschienen. Neben solchen kindgerechten Produktionen war er für die Regie in Grusel-Hörspielen wie "Dracula" tätig, und auch die Hörfassung von Edgar Allen Poes "Untergang des Hauses Usher" lebte entscheidend von seiner Beteiligung, weil er dem umnachteten Sir Roderick allein durch die Macht seiner ausdrucksstarken Stimme so einprägsames Profil verlieh.Sein sehr stark szenisch bestimmter Umgang mit Sprache war es auch, der Peter Folken zu einem so prägnanten Bühnenkünstler machte. Meine ersten Begegnungen mit ihm fallen noch in die Zeit, als er am Heidelberger Zimmertheater vor allem in Stücken der Moderne (etwa von Sartre, Anouilh oder Giraudoux) auftrat und sich dort als ein Charakterschauspieler von eigenwilligem Format, nachdrücklichem Engagement und hoher Qualität bewährte. Gerade seine Gabe, den unterschiedlichen Rollen, die er spielte, seinen ganz eigenen, stets unverwechselbaren Stempel aufzudrücken, stattete seine Auftritte mit der Strahlkraft des Besonderen aus.Die enthusiastische Hingabe an die jeweilige Rolle zeichnete ihn auch als Protagonisten des vorgeblich so leichtgewichtigen Boulevards aus, als der er in über zwanzig Jahren am Karlsruher Kammertheater brillierte - zunächst noch im alten Domizil in der Waldstraße, dann auch im neuen (bald schon wieder ehemaligen) Haus am Rondellplatz. Als eleganter Bonvivant, als zwielichtiger Grandseigneur, als sonniger Herzensbrecher und kaum minder sonniger Ganove, als Fiesling und Dummbeutel, als Kauz und Schandmaul, als glücklicher und unglücklicher Liebhaber, als jugendlicher Greis und trumpfstarker Platzhirsch - stets schlug er aus allen Rollen höchst persönliche Funken seines ansteckenden komödiantischen Übermuts, ohne in den platten Klamauk abzurutschen oder die jeweilige Figur an die Eitelkeit des routinierten Schauspielers zu verraten.Seine unbedingte Professionalität, langjährige Erfahrung und rasch übertragbare Spielfreude machten ihn auch zu einem vorzüglichen Regisseur, dem das Kammertheater einige glänzende, erfolgreiche Inszenierungen verdankt. Überhaupt: Peter Folken und das Kammertheater - was wären sie ohne einander? Er war eine verlässliche Säule des Ensembles, ein Fels in jeder Brandung, ein Komödiant von altem Schrot und Korn, ein Sympathieträger beim Publikum. Und er konnte ohne das Theater nicht sein. Einen Herzinfarkt vor einigen Jahren, der die Gemeinde seiner Bewunderer erschreckte, überstand er und trat alsbald wieder auf - agil, gut gelaunt, von zupackender Heiterkeit wie eh und je.Seine letzte Rolle im Lustspiel "Wer hat Tante Myrtle gesehen?", ein beängstigend junger, lausbübischer Großvater im mindestens dritten Frühling, zeigte ihn noch einmal in der ganzen, sprühenden Wucht seiner komödiantischen Energien. Mitten in der Serie ereilte ihn auf offener Straße ein weiterer Herzinfarkt, aus dem beherzte Passanten ihn zunächst retteten. Auch die Operation mit Einsetzung eines Schrittmachers gelang, und Folken machte sogar schon Pläne für die Gestaltung seines 50jährigen Bühnenjubiläums, das für 2003 anstand. Dazu wird es nun nicht mehr kommen. Am Montag ist Folken einer neuerlichen Herzattacke erlegen. In ihm hat das Karlsruher Publikum einen beliebten Volksschauspieler verloren. Er wird unvergessen bleiben.
Rüdiger Krohn
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