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: 2002.05.18, DIE WELT, S.29, OBITUARIEN
Die Bösen gut gesprochen
Schauspieler, Regisseur und Hörspielmacher Peter Folken ist tot
von Marc Hairapetian
Ende der 60er Jahre lieh er Winnetous Todfeind Santer auf den legendären Karl-May-Platten des "Europa"-Labels sein markantes Timbre. Peter Folken sprach den Bösen einfach hinreißend gut. Am nachdrücklichsten wird allerdings wohl sein Sir Roderick in Konrad Halvers Hörspielklassiker "Der Untergang des Hauses Usher" in Erinnerung bleiben: Das stimmliche Psychogramm einer gequälten Seele reichte hierbei von den ganz leisen Tönen über kinskihaftes Gekicher bis zum rasenden Gebrüll eines überempfindsamen Mannes, der sich verzweifelt gegen den drohenden Wahnsinn stemmt.
Folkens Umgang mit der Sprache machte deutlich, daß er vom Theater kam. Wie sein würtembergischer Landsmann Schiller war der Mime, der seinen bürgerlichen Namen Adolf Ziegelbauer später aus Verachtung Hitler gegenüber änderte, voller "Sturm und Drang". Sein Debüt gab der begnadete Sprecher 1953 am Mannheimer Nationaltheater ausgerechnet als "Stummer" in Max Frischs "Chinesischer Mauer". Über Trier kam Folken dann nach Hamburg. Dort besetzte er 1966 als Regisseur an der Kleinen Komödie den damals 22jährigen Konrad Halver in Lilian Harveys letztem Stück "Olivia" - es war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Bis Ende der 70er Jahre entstanden erst für "Europa", dann für das PEG-Label der BASF sowie dem Jahreszeitenverlag unzählige Kinder-, Jugend- und Erwachsenen-Hörspiele der gemeinsamen "Hafo"-Produktion, deren verkaufte Tonträgerzahl in die Millionenhöhe ging. Nach einem kurzen Intermezzo in Heidelberg, zog es Folken nach Karlsruhe, wo er in den letzten 20 Jahren am Kammertheater erfolgreich inszenierte und spielte. Mitten in der Saison ereilte dem auch ihm zunehmenden Alter jugendlich wirkenden Publikumsliebling auf offener Straße ein Herzinfarkt, dem er wenige Tage später in seiner Wohnung erlag. Mit Folken, der in einem "Schatz im Silbersee"-Remake wieder den roten Colonel intonieren sollte, verliert das deutschsprachige Hörspiel nicht nur eine seiner größten Stimmen, sondern auch einen seiner profiliertesten Autoren.
Peter Folken: Geboren am 20.April 1931 in Kornwestheim bei Stuttgart und gestorben am 5. Mai 2002 in Karlsruhe.
Marc Hairapetian
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